Meine Selbstfürsorge – Herbst-Edition 

Im Sommer ist alles leichter, da können wir in den Garten gehen!

Vorm Herbst graut mir so! Doch das muss nicht sein. Schon jetzt können Sie Ideen sammeln und so Ihre persönliche Bucket-Liste für den Herbst zusammenstellen.

Löffel-Liste Demenz Löffelliste

Wozu brauchen Menschen mit Demenz und Angehörige eine Bucket List?

Die Bezeichnung Bucket List kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „den Löffel abgeben“. Im Deutschen sagt man daher auch Löffel-Liste. Naja, ich finde das klingt ziemlich respektlos. Trotzdem mag ich die Idee dahinter.

Deshalb gibt es hier eine Löffel-Liste für den Herbst. Ehe der Herbst, der ja immerhin ein Viertel des Jahres ausmacht, seinen Löffel wieder abgibt, können wir jede Menge schöner Dinge tun, für uns alleine oder mit unseren Lieblingsmenschen.

Die meisten Vorschläge können Sie auch mit Menschen mit Demenz umsetzen.

Falls es Ihnen so, wie übrigens vielen Angehörigen von Menschen mit Demenz geht, dass Sie sich unbewusst und automatisch immer mehr auf die Defizite fokussieren, ermöglicht Ihnen meine Ideen-Liste für den Herbst, wieder den Blick auf das zu richten, was Freude macht.

Der Herbst ist die Zeit der Ernte – und Zeit, um gute Gefühle zu tanken für den Winter.  

Demenz Herbst des Lebens

Die schönsten Seiten des Herbstes

Der Herbst wird gerne mal als Metapher für alles Mögliche genutzt. Das spricht man vom „Herbst des Lebens“ und Wilhelm Busch verpackt es bildhaft.

„Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.“

Unser Blickwinkel macht mal wieder den Unterschied.

Ich kann über die Kühle und die immer zeitigere Dämmerung jammern. Oder ich kann mich über die Laubfärbung freuen und die Geranien im Blumenkasten gegen Astern und Erikakraut tauschen.

Ich kann darüber klagen, dass mit beim Spazierengehen kalt wird oder mir einen schönen warmen Schal aussuchen.

Ich kann den abgesstorbenen Blumen im Garten nachtrauern oder mir ein gemütliches Plätzchem in meinem Wohnzimmer zurechtmachen.

Es ist immer meine Entscheidung.

Meterologisch dauert der Herbst vom 01. September bis zum 30. November, also genau 91 Tage. Kalendarisch beginnt der Herbst in diesem Jahr am 23. September und wird am 21. Dezember vom Winter abgelöst. Das sind immerhin noch 88 Tage.

„Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.“
schreibt der Dresdner Schriftsteller Erich Kästner über den September. Und über den Oktober dichtete er:
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.“

Mein liebstes Novembergedicht stammt vom Dichter Heinrich Seidel und beginnt so:

Solchen Monat muß man loben:

Keiner kann wie dieser toben,

keiner so verdrießlich sein

und so ohne Sonnenschein!

Keiner so in Wolken maulen,

keiner so mit Sturmwind graulen!

Und wie naß er alles macht!

Ja, es ist ′ne wahre Pracht.

Sehen Sie, ein Regentag ist kein Grund zum Jammern, wenn man es sich zu Hause gemütlich macht.

Und wenn die Sonne wieder herauskommt, dann sollten Sie so oft wie möglich nach draußen gehen und das Sonnenvitamin D tanken.

Tipp 60 wäre, den Hausarzt zu fragen, ob die zusätzliche Einnahme von hochdosiertem Vitamin D für Sie und für Ihren Angehörigen sinnvoll ist (falls ja, lassen Sie sich ein Rezept dafür geben).

Ideen Liste Demenz

59 Mitmach-Ideen für Menschen mit und ohne Demenz im Herbst

Hier sind meine persönlichen Tipps (die ich auch selber umsetzen will) in völlig ungeordneter Reihenfolge. Schreiben Sie mir unbedingt, welche Tipps dieser Selbstfürsorge-Liste Sie allein oder gemeinsam mit ihrem Angehörigen ausprobiert haben!   

 

      1. Den amerikanischen Film Das Beste kommt zum Schluss mit einem wunderbar grilligen Jack Nicholson ansehen, denn da geht es um das Thema der Löffelliste

      2. Sich daran erinnern, worüber man sich im Sommer von Herzen gefreut hat

      3. Selbstgesammelten Kräutertee trinken

      4. Selbstgekauften oder geschenkten wärmenden Gewürztee trinken

      5. Das gute (Tee-)Service nehmen

      6. Kastanien sammeln – erledigt am 21.09.

      7. Aus den Kastanien in einem Karton ein wohltuendes Kastanien-Fußbad machen

      8. Die Laubfärbung im goldenen Oktober genießen

      9. Das schönste Herbstblatt finden

      10. An einer alten Allee reife Äpfel auflesen

      11. Einen versunkenen Apfelkuchen backen

      12. Eine kleine feine Ausstellung besuchen

      13. Mit den Kindern oder Enkelkindern telefonieren

      14. Sich vom Nachbarn einen Sack Walnüsse schenken lassen

      15. Nüsse knacken

      16. Sich über die letzten Rosen im (eigenen oder in einem fremden) Garten freuen

      17. Zugvögel beobachten

      18. Zusammen die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann ansehen

      19. Dazu eine Feuerzangenbowle machen

      20. Alte Fotos ansehen

      21. Kürbissuppe kochen – erledigt am 23.09.22

      22. An einem warmen Herbsttag ein Picknick in der Sonne machen (Thermosflasche und Sitzkissen mitnehmen)

      23. Geröstete Esskastanien kaufen

      24. Kindern beim Drachensteigen zusehen

      25. Ein Buch mit kurzen Geschichten (vor-)lesen

      26. Eine Postkarte an einen lieben Freund oder eine Freundin schreiben

      27. Einen Flohmarkt oder ein Trödelcafé besuchen

      28. In Secondhand-Bücherläden nach Schätzen suchen

      29. Das Vogelhäuschen so anbringen, dass sich die gefiederten Gäste gut beobachten lassen

      30. Vogelfutter kaufen und einstreuen

      31. Eine Therme besuchen

      32. Eine Tagesfahrt ans Meer machen

      33. Einen Ausflug zu einem schönen Aussichtspunkt machen

      34. Mit Weißwurst und Brezeln sein eigenes Oktoberfest feiern

      35. Bei einem Winzer eine Weinprobe mitmachen

      36. Ans Uhren umstellen denken (am 30. Oktober – und zwar eine Stunde zurück!)

      37. Den Adventskalender von Andere-Zeiten bestellen

      38. Überlegen, wem man auch einen Adventskalender schenken könnte

      39. Einen Spiele-Nachmittag organisieren

      40. Zur Fußpflege gehen oder die Fußpflegerin nach Hause bestellen

      41. Sich ein eigenes Massage-Öl mischen, Lavendel beruhigt, Rosmarin belebt, Zitrone, Minze oder Nadelhölzer erfrischen

      42. Sich gegenseitig eine Handmassage geben

      43. Mal wieder in die Stadtbücherei gehen

      44. Die alte Postkarten- oder Briefmarkensammlung rausholen

      45. Einen frischen Zwiebelkuchen auf dem Markt kaufen

      46. In den Zoo gehen

      47. Den Botanischen Garten besuchen

      48. Eine neue Frisur ausprobieren

      49. Plätzchenrezepte raussuchen

      50. Zutaten im Bioladen einkaufen

      51. Plätzchen backen

      52. Eine Liste machen, wer eine Weihnachtskarte oder ein Geschenk bekommen soll

      53. Jemanden grundlos mit einer Kleinigkeit überraschen

      54. Für eine gemeinnützige Organisation in Ihrer Stadt oder Ihrem Dorf einen Geldbetrag spenden (mein Tipp: Familienzentrum Radebeul)

      55. Schon mal Schal und Handschuhe rauslegen

      56. Sich einen schönen Herbststrauß in die Wohnung stellen

      57. Ein dickes Rätselheft kaufen

      58. Im Warmen sitzen und das Prasseln des Regens an der Fensterscheibe genießen

         

         

Me Time Demenz

Wie soll ich als Angehörige*r eines Menschen mit Demenz denn die Zeit für Selbstfürsorge finden? 

Ich habe Ihnen meine Lieblingstipps aufgeschrieben, wohl wissend, dass nicht jeder Tipp für jeden passt.

Ich mag nicht basteln und finde so manche Bastelideen der Ergotherapeuten oder Betreuungskräfte ganz schlimm. Deshalb finden Sie in meiner Liste keine Bastelideen. (Sogar in meiner Vorsorgevollmacht steht: „Ich will nicht basteln!“)

Und auch der Punkt „Pilze suchen“ fehlt – Sie dürfen ihn gern ergänzen, wenn Sie beim Finden mehr Glück haben als ich.

Vielleicht ist Ihnen das Meer zu weit, oder Sie mögen keine Feuerzangenbowle. Vielleicht ist Ihr Angehöriger nicht mehr mobil genug für den Besuch in der Therme. Sie könnten ja alleine gehen.

Ach, dafür haben Sie keine Zeit? Da lege ich Ihnen direkt noch mal meinen Artikel zur Not-To-Do-Liste ans Herz. Denn Angehörigenpflege darf nicht bedeuten, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen. Es gibt dafür den schönen Begriff „Me-Time“, Zeit für mich. Das ist nicht egoistisch. So wenig, wie das Auftanken Ihres Autos unnütz ist.

Machen Sie sich doch heute Abend einen schöne Tasse Kakao und erstellen Sie Ihre eigene Ideen-Liste für den Herbst. Es müssen ja nicht 59 Punkte sein. Vielleicht sind es nur 9 oder 10. Wichtig ist, dass die Punkte Ihr Herz erfreuen.

Manches ist schnell umgesetzt (den Blumenstrauß vom Markt mitbringen), anderes braucht Vorbereitung. Aber wir haben ja 90 Tage Zeit!

Moment, hier kommt mein letzter Tipp:

59. Einen Kommentar unter diesen Blogbeitrag schreiben. Welche Idee hat Ihnen besonders gefallen. Und haben Sie eine Idee, die Sie gerne an andere Leser*innen weitergeben?

 

Ich freue mich, von Ihnen zu lesen.

 

 

Ihre

 

Demenzberaterin Eva Helms